Der Geschichtsverein Informationstechnik e.V. (GVIT) wird die zurückliegenden Entwicklungsarbeiten der Informationstechnik, in Fortsetzung der Erfindungen von Philipp Reis und Konrad Zuse beschreiben, zum Thema gehörende Dokumente und Literatur sammeln, archivieren und der Öffentlichkeit zugänglich machen. Weiterhin möchten wir Exponate zusammentragen, um aufzuzeigen, wie die Umsetzung von Konstruktionsprinzipien, Patenten, Verfahren und Technologien für die Produkte und den Arbeitsmarkt wirksam wurden. Spezielle Themengebiete werden wir im Rahmen von Sonderveranstaltungen der Öffentlichkeit präsentieren.
Anlaß zur Gründung des “Geschichtsverein Informationstechnik e.V.“ (GVIT), mit Sitz Friedrichsdorf, der Wirkungsstätte von Philipp Reis, war die Neugier und das Verlangen, festzustellen und zu dokumentieren, wie die Pionierleistungen von Philipp Reis, dem Erfinder des Telefons (1861), und Konrad Zuse, dem Erfinder des Computers (1930), zu einem Wettlauf der industriellen Massenfertigung von Produkten der Informationstechnik führte.
Im Rahmen der Globalisierung der Märkte werden immer mehr Firmen aus den unterschiedlichsten Anlässen vom Markt verdrängt. Ursache dafür ist, dass
- das allgemeine Innovationstempo hohe Anforderungen an die Mitarbeiter stellt,
- private-Equity-Investment-Gesellschaften nach dem Aufkauf die Firmen zerschlagen und umbenennen, Filetstücke verwerten und Firmenteile verkaufen und das dann reduzierte Personal den Kaufpreis und die Zinslast aus dem operativen Geschäft aufbringen muss,
- in einigen Fällen das erforderliche Kapital nicht in ausreichender Höhe zur Verfügung steht, und
- veränderten Führungsstrukturen der Erfolg versagt bleibt und das Ergebnis nicht den Markterwartungen entspricht, oder
- der Markt sich schneller verändert, als man sich darauf einstellen kann.
Wo immer die Gründe für Firmenverkäufe, -zusammenschlüsse, -auflösungen liegen mögen, führen sie in der Regel dazu, dass die eigentlichen Leistungen der Gründerunternehmen nach ein paar Jahren in Vergessenheit geraten. Bestenfalls sind in Museen besondere „highlights“ ausgestellt. Ein umfassendes Bild über die Leistungsfähigkeit der Unternehmen erhält man dabei nicht. Zum Beispiel findet man in den Museen für Kommunikation der Deutschen Gesellschaft für Post und Telekommunikationsgeschichte (DGPT) nur sieben Apparatetypen der Firma Telefonbau und Normalzeit (T&N) öffentlich ausgstellt, von den mehr als 200 Apparatetypen, die in der Zeit von 1950 bis 1990 von T&N entwickelt und gefertigt wurden. Es ist sicherlich auch nicht die Aufgabe von Museen, Produktionsprogramme von Unternehmen vollständig darzustellen!
Wir haben uns deshalb zum Ziel gesetzt, die Industriegeschichte der IT-Branche, bezüglich der Produkte, so vollständig wie noch möglich zu erfassen. Daneben werden auch die sozialen und betriebswirtschaftlichen Aspekte betrachtet. Wir wollen die entsprechenden Informationen nach einem Abfragefilter:
WER(Namen der Unternehmen, mehr als 1000.)?
WAS (Namen der Produktgruppen/Produkte)?
WANN (Fertigung von/bis, ggf. Fertigungsmengen)?
WO (Fertigungsorte)?
WIE (Methoden, Verfahren)?
ermitteln bzw. ermitteln lassen.
Diese Ermittlungen erfordern Insiderwissen, das wir nur über Mitarbeiter / ehemalige Mitarbeiter der zu betrachtenden Unternehmen beschaffen können. Gegebenenfalls müssen auch eigene Ermittlungen gestartet werden.
Im übrigen gibt es bereits unternehmensspezifische Gruppen, aber keine branchenspezifischen, die sich mit der Vergangenheit ihrer Unternehmen beschäftigen, jedoch nicht im Kontext mit den Mitbewerbern. Die Ergebnisse werden zum Teil nur in Büchern und Dokumenten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, wie einige Beispiele zeigen:
- AEG: Aufstieg und Niedergang einer Industrielegende von Peter Strunk
- 100 Jahre Mannesmann 1890 – 1990, Kontinuität im Wandel
- Siemens ElectroCom, Konstanz (von Pintsch):
“Wir schreiben Technikgeschichte, Erkennen worauf es ankommt”.
- Ehemalige Mitarbeiter der früheren Firma Telefunken (TF) schreiben z.Z. die TF-Geschichte nieder.
Eine sehr umfangreiche Techniksammlung der Nachrichtentechnik von Telefunken/ANT existiert jedoch in Backnang.
Wir werden versuchen, mit den Stellen, die sich mit Vergangenheitsfragen von Unternehmen aus der IT-Branche beschäftigen, zu kooperieren, und auch Arbeitsgruppen mit Insiderwissen ins Leben zu rufen.
Bei den noch existierenden Unternehmen werden wir versuchen, die entsprechenden Daten direkt abzufragen.
Der Geschichtsverein Informationstechnik e.V. wurde am 6. Februar 2002 gegründet und die Gemeinnützigkeit am 20. März 2002 durch die Finanzbehörde bestätigt. Als Sitz des Vereins wurde bewußt Friedrichsdorf mit der Zielsetzung gewählt, hier an die Leistungen von Philipp Reis zu erinnern.
Wir sammeln Bauteile, Geräte, Entwicklungsmuster, Beschreibungen, Prospekte, Fachliteratur und dergleichen, um sie auf CD, sowie auch per Internet, der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Derzeit steht uns im alten Frankfurter Fabrikgebäude der TN in der Kleyerstraße ein Archivraum zur Verfügung. Siehe Bericht hier .
Ein ehemaliger Kollege und Vereinsmitglied im GVIT zeigt seine private Sammlung Interessierten nach Voranmeldung und wird deshalb vom GVIT mit Exponaten unterstützt. Kontaktdaten hier anfragen.
Unser Verein wird bereits in Wikipedia erwähnt.
Über den Fortgang unserer Vereinsarbeit halten wir Sie auf dem Laufenden:
- auf diesen Internetseiten und
- auf unseren Versammlungen.